Die evangelische Christuskirche

Ev. Christuskirche, Carl-Dietzsch-Straße 17

Die von 1902 bis 1903 mit viel Liebe und großem Engagement der Gemeindeglieder in neuromanischem Stil erbaute Christuskirche ist bereits die zweite Kirche der Evangelischen Kirchengemeinde Lehrensteinsfeld. Die Laurentiuskirche, an die der noch erhaltene Wehrturm erinnert, wurde am Anfang des 20. Jahrhunderts aufgrund ihres Zustandes aufgegeben. Jedoch blieben z.B. der Taufstein aus dem Jahr 1759 und das Kruzifix, das ebenfalls aus dem 18. Jahrhundert stammt, in der Christuskirche erhalten.

Entworfen vom Architekten Heinrich Dolmetsch gelang den Erbauern der Christuskirche ein einladendes Gotteshaus, in dem bis heute Menschen auch über die Grenzen der Kirchengemeinde hinaus gerne zusammen kommen.

An vielen Stellen wird man in der Christuskirche an die Verbundenheit der Lehrensteinsfelder mit „ihrer Kirche“ durch die Geschichte hindurch erinnert: So ist z.B. die Kanzel eine Stiftung der damaligen Kirchengemeinderäte, des Pfarrers und des Bürgermeisters anlässlich der Erbauung. Auch das Orgelgehäuse ist ein Geschenk einer Lehrensteinsfelder Familie. Das schöne Kirchenfenster im Chorraum, das die biblischen Szenen der Kindersegnung, der Hochzeit zu Kana und die Auferweckung des Lazarus sowie zuoberst Christus als den Weltenherrscher zeigt, ist eine Stiftung der Patronatsherrschaft, die bis Mitte der 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts die Adelsfamilie Dietzsch vom Schloss Lehrensteinsfeld innehatte. Der Patronatsherr hatte z.B. das Recht, einen Pfarrer für die Kirchengemeinde vorzuschlagen, war auf der anderen Seite aber auch verpflichtet, für kirchliche Belange mit Sorge zu tragen. So sind auch die Taufglocke und die Türe im Hauptportal von der Patronatsfamilie gestiftet.

Auf die Besonderheit des Patronats weist auch die Patronatsloge hin, die rechts oberhalb des Chorraumes zu finden ist. Diese wurde bei der Entstehung der Christuskirche als separater Bereich eigens für die Patronatsfamilie gebaut.

Auch wenn sich durch die zwei großen Renovierungen 1964 und 1990 einiges am Erscheinungsbild der Christuskirche verändert hat, so ist doch auch hier das Bestreben zu entdecken, ein schönes Gotteshaus zu erhalten.

Nachdem 1979 die damalige Orgel für „abgängig“ erklärt worden war, konnte 1982 die neue, 16 Register umfassende Orgel eingeweiht werden, die nicht nur zur musikalischen Gestaltung der Gottesdienste dient, sondern auch bei verschiedensten Konzerten zu hören ist.

Insgesamt laden drei Glocken zu den Gottesdiensten ein: die kleinste, die Taufglocke aus dem Jahr 1920 (Durchmesser 70 cm, Gewicht 200 kg), stammt aus dem Jahr 1920. Die mittlere, die Kreuzglocke (Durchmesser 85 cm, Gewicht 370 kg) wurde wie die größte, die Betglocke (Durchmesser 100 cm, Gewicht 560 kg) im Jahr 1949 gegossen, nachdem die vorherigen Glocken im Krieg für Rüstungszwecke eingezogen worden waren.

Daran mag deutlich werden, wie die Christuskirche schon vieles „gesehen“ hat: Frohes und Schweres, sowohl, was ihre eigene Geschichte betrifft als auch die Geschichte der Menschen, die in ihr ein und ausgehen, um mit Gott Gemeinschaft zu haben, ihm zu bringen, was sie bewegt und seinen Segen zu erbitten. Die Christuskirche - ein Gotteshaus aus Steinen ganz unterschiedlichen Materials also: ein Haus der gemauerten Steine und der „lebendigen Steine“ (vgl. 1.Petrus 2,1-10) – beide machen sie zu dem, was sie ist und wie sie ist und sie möge auch weiterhin auf dem einen lebendigen Stein gegründet sein: Jesus Christus, nach dem sie seit 1990 ihren Namen hat und sie möge einladend bleiben, so wie Christus alle Menschen in seine Gemeinschaft einlädt.

Hans-Michael Büttner, Pfarrer